Um kurz nach 17.30 Uhr New Yorker Zeit, in Deutschland geht es schon auf Mitternacht zu, hat Alexander Zverev im größten Tennisstadion der Welt einen Blackout: Der Deutsche hat gerade nach gut dreieinhalb Stunden Spielzeit den US-Amerikaner Ben Shelton in vier Sätzen besiegt und damit die US Open gewonnen - und merkt es zunächst gar nicht. Statt auf die Knie zu gehen und sich für seinen zweiten Grand-Slam-Triumph feiern zu lassen, dreht der Deutsche sich um, um sich auf den nächsten Aufschlag seines Gegners vorzubereiten. Dass er gerade das größte Tennisturnier der Saison gewonnen hat, bemerkt er erst nach mehreren Sekunden.
Während das Publikum schon jubelt, der geschlagene Shelton nach dem 3:6, 6:7, 7:5, 2:6 auf dem Weg zum Netz ist, ahnt Zverev noch nichts von seinem Triumph. Es ist eine kuriose Szene. Nach dem Match erklärt der Deutsche schmunzelnd und mit der Trophäe im Arm seinen Blackout: "Ich dachte, es steht 5:1 anstatt 6:2", sagte der frischgebackene zweifache Grand-Slam-Champion zu Sky. "Meine Mannschaft hat mich angeschrien und gesagt: "Es ist vorbei, es ist vorbei." Dann habe ich hochgeschaut und da stand 6:2. Im Stadion hörst du ja nicht, was der Schiedsrichter sagt oder sonstiges."

Zverev krönt sich zum US-Open-Champion - und merkt's nicht
"So viel Stress in mir"
Von den Feierlichkeiten leicht heiser fuhr Zverev fort: "Vor drei Monaten hatte ich gar keinen Grand-Slam-Titel, jetzt stehe ich hier mit zwei. Das ist ein besonderes Jahr für mich." Sein Triumph bei den French Open, wo im Juni seine jahrelange verzweifelte Jagd nach dem ersehnten ersten Grand-Slam-Titel nach langer Leidenszeit und drei verlorenen Major-Finals endlich endete, sei der emotionalere gewesen - "weil ich da so viel Stress in mir hatte. Ich konnte die zwei Wochen gar nicht genießen." Diesmal sei das in den Tagen von New York ganz anders gewesen: "Ich habe es heute genossen, auf dem Platz zu sein. Das war in Paris nicht der Fall."

Zverev rührt seinen Vater zu Tränen
In Paris hatte sich Zverev im Finale gegen den Italiener Flavio Cobolli mit einem 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 und 6:1 zum ersten deutschen Grand-Slam-Champion der Herren seit Boris Beckers Sieg bei den Australien Open 1996 gekrönt. Zuvor hatte er bei den Australian Open, bei den French Open und den US Open jeweils einmal im Finale gestanden und alle drei Matches verloren.
