Ancelotti pfeift auf WM-Wut

Stolpernde Selecao versetzt Brasilien in Panik

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14.06.2026 | 11:04 Uhr
Real Madrids Superstar Vinicius Junior verhindert einen Fehlstart der Selecao in die Fußball-WM - und doch herrscht in Brasilien schon helle Aufregung. Carlo Ancelotti bleibt gelassen.

Als Vinicius Junior geknickt vom Feld schlich und Neymar die Fans mit Selfies besänftigte, ploppten in der aufgeregten Heimat bereits Vergleiche mit einer der dunkelsten Stunden der Selecao auf. Beim 1:1 (1:1) gegen Marokko, schimpften Kolumnisten der Tageszeitung "O Globo", habe Brasilien die schlechtesten 45 Minuten geliefert seit jenem unheilvollen 1:7 gegen Deutschland, das 2014 tiefe Spuren im Gedächtnis der stolzen Fußballnation hinterlassen hatte.

Brasiliens Superstar startet mit Traumtor in die WM

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Nun gut, ganz so schlimm war es nicht. Doch in der Öffentlichkeit wuchsen trotzdem die Zweifel an den Ideen von Carlo Ancelotti, der die lange Leidenszeit der Brasilianer nach 24 Jahren beenden soll. Der Starcoach reagierte ganz gelassen - und beruhigte die Anhänger. Eine WM, betonte der Routinier, "gewinnt man nicht mit dem ersten Spiel".

Wirklich ein Topfavorit?

Brasilien hatte in East Rutherford vor den Toren New Yorks jedoch wenig Glanz versprüht und die große Frage offengelassen, ob die Selecao wirklich zum Kreis der Topfavoriten gehört. Ancelottis Startelf, vor allem die Berufung von Roger Ibanez auf die rechte Abwehrseite, erregte die Gemüter in der Heimat. Kritik, entgegnete der Coach, dessen Team sich nach dem Seitenwechsel immerhin gesteigert hatte, müsse akzeptiert werden, aber: "Die Startaufstellung war bewusst gewählt."

Brasilien - Marokko 1:1 (1:1)

Tore: 0:1 Ismael Saibari (21.), 1:1 Vinícius Júnior (32.)

Brasilien: Alisson - Ibañez (46. Danilo), Marquinhos, Gabriel, Douglas Santos - Casemiro (46. Fabinho) - Paquetá (62. Luiz Henrique), Guimarães (80. Santos De Oliveira) - Raphinha, Vinícius Júnior - Igor Thiago (62. Cunha). - Trainer: Ancelotti

Marokko: Bono - Hakimi, Diop, Riad, Mazraoui (80. Salah-Eddine) - El Aynaoui, Bouaddi - Díaz (65. Talbi), Ounahi (65. El Mourabet) El Khannouss (80. Amaimouni Echghouyab) - Saibari (89. Rahimi). - Trainer: Ouahbi

Schiedsrichter: Slavko Vincic (Slowenien)

Zuschauer: 80.663 in East Rutherford (ausverkauft)

Gelbe Karten: Casemiro, Roger Ibañez -

Dass Brasilien in der ersten Halbzeit derart fahrig, ideenlos und dürftig agiert hatte, führte Ancelotti auf die Nervosität seiner Spieler zurück. Damit müsse sich die Selecao vor dem zweiten Gruppenspiel am Samstag (2.30 Uhr, ARD und Magenta TV sowie im Liveticker bei ntv.de) gegen Haiti auseinandersetzen. "Es ist normal, dass der Druck hoch ist", betonte der Italiener: "Aber wir werden uns auch in dieser Hinsicht nach und nach verbessern." Er deutete zudem an, dass sich die viel diskutierte Startelf je nach Gegner ändern könne.

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Zehntausende Anhänger hatten auf den Rängen mitgefiebert, darunter Ronaldo, Kaká und Roberto Carlos, die Brasilien 2002 den bislang letzten von fünf WM-Titeln beschert hatten. Selbst NFL-Legende Tom Brady drückte im Selecao-Trikot die Daumen. Sie alle packten ihre Hoffnung auf die Schultern von Vinicius, der einen Fehlstart nach Marokkos Führung durch Ismael Saibari (21.) mit einer sehenswerten Soloaktion verhinderte (32.).

"Alle Qualitäten, um eine großartige WM zu spielen"

Er sei überzeugt, dass er sich noch steigern könne, versicherte Vinicius, der den WM-Titel als klares Ziel ausgegeben hat Ein wunderschönes Tor, das erst zehnte im 50. Länderspiel, habe Vinicius erzielt, lobte Ancelotti: Er habe "alle Qualitäten, um eine großartige WM zu spielen".

Alleine wird es Vinícius kaum richten können. Heilsbringer Neymar, hinter dessen Leistungsfähigkeit ein dickes Fragezeichen steht, fehlt allerdings noch angeschlagen. Der Superstar, der seit 2023 kein Länderspiel mehr absolviert hat, fieberte mit weißer Kappe als Zuschauer mit. Wann er einsatzfähig sein wird, ist offen. Brasilien, beschwichtigte Ancelotti ein weiteres Mal, stehe aber ohnehin erst "am Anfang dieser Reise".

Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid