Muss Ukraine weichen?

Nach Russland-Rückkehr: DEB erwägt Rückgabe der Heim-WM

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Der Puck ist noch nicht vom Eis. (Foto: picture alliance / ZB)
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01.11.2026 | 16:16 Uhr
Rein theoretisch dürfte nach einem CAS-Urteil das russische Team bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland mitmachen. Doch praktisch droht der DEB in offenen Fragen unterzugehen - und wendet sich hilfesuchend an die Politik.

Die Eishockey-WM in Deutschland steht auf der Kippe. Nach dem CAS-Urteil mit der Zulassung Russlands zieht der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) eine Rückgabe des Turniers im nächsten Jahr in Betracht - und ruft die Politik zu Hilfe. "Ich möchte keine Schwarzmalerei betreiben", sagte DEB-Vorstandschef Frank H. Lutz bei MagentaTV: "Aber natürlich müssen wir uns mit der Option beschäftigen, dass wir diese WM zurückgeben."

Lutz führte finanzielle Gründe an. "Denn in ein wirtschaftliches Risiko, das wir nicht mehr stemmen können, können wir uns nicht begeben", sagte Lutz in während des Testspiels der DEB-Frauen am Samstag in Bremerhaven gegen Japan (5:1). Er sei zwar optimistisch; ob die WM im kommenden Mai in Düsseldorf, Mannheim und Gelsenkirchen tatsächlich stattfinden werde, könne er aber "heute nicht 100-prozentig sagen".

Sollte Russland, das durch das CAS-Urteil vom Freitag ab sofort wieder an Turnieren des Weltverbands IIHF teilnehmen darf, an den Start gehen, kämen vor allem in punkto Sicherheit "ganz neue Kosten" auf den Ausrichter zu. Weil es "auch eine politische Entscheidung" sei, werde er in der kommenden Woche nach Berlin fahren, kündigte Lutz an. So geht es auch um die Frage, ob die russische Mannschaft überhaupt Visa erhält. "Da habe ich überhaupt noch kein Gefühl für", sagte der DEB-Vorstandschef: "Das wird sicherlich Gegenstand der Gespräche sein, wie weit die Bundesregierung bereit ist zu gehen."

Die wiederum hat noch keine Entscheidung getroffen. Ein Sprecher teilte der "Süddeutschen Zeitung" mit, die Bundesregierung sehe die CAS-Entscheidung "sehr kritisch" und kündigte an: "Über mögliche Folgen des Urteils, auch auf die Eishockey-WM 2027 in Deutschland, wird sich die Bundesregierung zeitnah mit dem Deutschen Eishockey-Bund austauschen."

Muss ausgerechnet die Ukraine weichen?

Kanada, wo zum Jahresende die U20-WM stattfindet, erklärte bereits, keine Visa auszustellen. Auch bei der Turn-WM im Oktober in Amsterdam verweigerten die niederländischen Behörden der Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Angelina Melnikowa die Einreise - offenbar wegen ihrer Nähe zum russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. In Deutschland durften bereits russische Sportler antreten: etwa bei der WM der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt am Main, bei der Junioren-EM im Schwimmen in München oder beim Para-Ski-Weltcup.

Zunächst aber muss die IIHF entscheiden, wie es weitergeht. Der deutsche Präsident Franz Reindl kündigte eine Sitzung des Councils zu Beginn der Woche an. Man werde "eng mit allen zusammenarbeiten, um praktikable Lösungen zu finden", sagte der Ex-Nationalspieler.

Besonders brisant: Für Russland müsste, wenn das WM-Teilnehmerfeld nicht aufgestockt würde, ausgerechnet die Ukraine als zweiter Aufsteiger Platz machen. "Das ist definitiv, was die Reputation und die Integrität des Sports angeht, eine extrem schwierige Situation", sagte Lutz. Nicht ausgeschlossen sei auch ein Boykott anderer Teams, so der DEB-Vorstand: "Es besteht die Gefahr, dass Länder sagen, wir können unter diesen Umständen nicht an diesem Turnier teilnehmen." So sei es in Lettland "per Gesetz verboten, gegen russische Teams anzutreten".

Russland war nach Beginn seines Angriffskrieges in der Ukraine von der IIHF suspendiert worden - offiziell wegen Sicherheitsbedenken. In der Weltrangliste erhielt das Team aber weiter Punkte gemäß seines damaligen dritten Platzes - was zur absurden Situation geführt hat, dass der 27-malige Weltmeister aktuell eigentlich die Nummer eins im Ranking ist, aber nur in der Fußnote geführt wird.

Verwendete Quellen: ntv.de, ses/sid